Reisetagebuch Canterbury, UK – Tag 1

O.M.G. ich kann kein Englisch, jahrelang dachte ich, fleißig US- und UK-TV Serien schauen würde reichen um mir eine vernünftige Grundlage zu vermitteln. But my english is shit!

Aber der Reihe nach. Bin Heut also aufgebrochen nach Canterbury um an der EST-Konferenz teilzunehmen auf der ich auch einen Vortrag halte. Also bin ich Heut gegen 14 Uhr in den Bus am Hüblerplatz gestiegen und habe mich aufgemacht zum Dresdener Flughafen. Der heißt übrigens Dresden International, das ist genauso lächerlich wie das die ganzen Bahnhöfe in England die an der Strecke des Eurostar liegen auch International heißen. Egal, für mich war der Flughafenbesuch etwas ganz besonders, da ich zum ersten Mal in meinem, nun doch schon ein Viertel Jahrhundert altem, Leben einen kommerziellen Flieger (zumindest zum Zweck des Fliegens) bestiegen habe.

Also ging es los mit der Suche nach dem Gepäckabgabeabgabeschalter, den Check-In hatte ich zum Glück schon einige Stunden vorher von zu Hause aus erledigt. Nachdem ich die richtige Etage gefunden hatte, was nicht so leicht ist wenn man mit dem Zug ankommt, wurde ich, wahrscheinlich auf Grund meines verwirrten Gesichtsausdrucks, erst mal von der Bundespolizei skeptisch beobachtet. Als man aber erkannte, dass ich nur auf der Suche nach meiner ausgedruckten Boardkarte war, ließ man von mir ab und beschäftigte sich wieder mit seinen Kaffeekränzchen-Gesprächen. Alsbald war auch der Gepäckschalter gefunden und zwischen mir und der Abgabe meines Koffers lag nur ein Labyrinth aus Absperrbändern. Nachdem das überwunden und mein Gepäckstück in den Eingeweiden des Flughafen auf ein baldiges Wiedersehen verschwunden war, ging es also zur Sicherheitskontrolle. Vor mir eine Gruppe Pubertierender die auch auf dem Weg nach London waren. Eigentlich ging es recht flott, bis eine der jungen Damen aufgefordert wurde sämtliche Flüssigkeiten für die Kontrolle in eine Beutel zu packen. Unfähig zu unterscheiden was aus ihrem Kosmetikköfferchen (wohl gemerkt im Handgepäck) dazu gehörte, griff die Sicherheitsangestellte kurzerhand selbst beherzt in das Köfferchen und fing an Lippenstifte, Eyeliner und was nicht alles, sicherlich eine geschlagene Minute lang aus dem kleinen Behältnis zu fischen und stieß dabei immer wieder auf neue Schönheitsprodukten die es umzutüten galt. Schlussendlich konnte der Beutel dann mit einem Jahresvorrat an Kosmetika, der jeden professionellen Kosmetikvertreter hätte aussehen lassen wie die Beauty-Abteilung vom Lidl, durch den Sicherheitsapparatus wandern. Nach dem auch ich geschleust wurde (selbst mein Gürtel wurde mir genommen (also temporär)) wanderte ich durch die verlassenen Hallen des Flughafens dem Gate 2 entgegen. Noch etwas benommen von der Tatsache, dass man weder Boardpass noch Ausweis sehen wollte, erblickte ich den abgesetzten Bereich des Gate 2. Der Monitor vor dem Eingang verhieß den Flug nach London unter der Flagge der Lufthansa und ich lief frohen Mutes mit dem Boardpass los nur um in 4 Paar finstere Augen zu starren die mich alle grimmig anschauten ohne einen Ton zu sagen. Ich lege also meinen Boardpass auf den Tresen und warte. Nach kurzer Zeit erbarmt sich die Bundesbeamte am Nachbarschalter mir ein „Passboard“ hin zu werfen. Sofort wurde mir mein Eklat klar, ich habe die Damen und Herren Bundespolizisten mit simplen Gate-Stewardessen und Stewards unwissentlich auf eine Stufe gestellt. Glücklicherweise hatte ich meinen Personalausweis griffbereit und warf ihn geschwind auf den Tresen um von meinem Fauxpas abzulenken. Der Ausweis wurde ohne auch nur die Regung einer Miene von der Polizeiobermeisterin angenommen und in den Scanner geschoben. Nach einigen Unheil-versprechenden Piepstönen des Geräts wurde ich gefragt: „Haben Sie Ihren Ausweis mal verloren?“ Ich darauf: „Ja“ denn tatsächlich hatte ich meinen Ausweis mal verloren, allerdings lag das schon mehrere Jahre zurück und in den dunklen Ecken meines Gedächtnisses. Der Ausweis wurde damals von der Bundespolizei gefunden und ich bekam ihn wieder. Ähnliches erklärte ich der Beamtin die mich dann auch tatsächlich nach einigen Nachfragen und einem seeeehr skeptischen Blick auf mein Passbild (Es ist schon über 5 Jahre alt verdammt) hat passieren lassen.

Kurz darauf konnte ich dann den Flieger besteigen der einen eher bescheiden Eindruck bei mir hinterließ, aber was weiß ich schon von Fliegern, ist schließlich mein Erster der mich auch auf eine Reise mitnimmt. Gleichwohl hatte ich mir das Innere etwas geräumiger vorgestellt. Ich hatte einen Fensterplatz und niemanden auf meinem Nebensitz, also genug Raum um mich, mein Buch und meine Vortragsfolien auszubreiten. Zum rausschauen hatte ich zwei Fenster leider sah ich durch eines nur den Flügel und um aus dem Zweiten zu schauen musste ich meinen Kopf arg verdrehen, was ich aber auch ausgiebig tat. Als der Flieger dann zum Starten ansetzte wurde mir augenblicklich klar warum man gerne sagt „Nur fliegen ist schöner“ (auf die Gefahr hin wie der letzte Hinterwäldler zu klingen) das Gefühl der unglaublichen Beschleunigung die das Flugzeug zunächst nach Vorne schiebt und dann in die Luft hebt ist atemberaubend. Ich hatte das Glück, das zunächst nur wenige Wolken am Himmel standen und konnte so den Ausblick genießen. Für den Flug hatte ich mir vorgenommen ein wenig meinen Vortrag durchzugehen, leider hat meine Konzentration nur für ein paar Seiten in meinem aktuellen Buch gereicht. Der Flug selbst dauerte nur lächerliche 85 Minuten, zieht man die Zeitdifferenz ab war ich nur 25 Minuten unterwegs (jaaa ich weiß…). Beim Landeanflug in Heathrow waren zunächst nur Wolken zu sehen, aber als das Flugzeug die letzte Kurve flog, war ein Kunstflieger so freundlich ein Herz in den Himmel zu malen. Ob ich so überall begrüßt werde? Ich muss das im Auge behalten.

Nach der Landung und dem Verlassen des Flugzeugs bin ich gefühlte 10 km durch Gänge und über Rolltreppen gelaufen bevor ich mich vor der Einreisepasskontrolle wieder fand. Davor eine riesige Warteschlange die sich aber recht schnell bewegte. An der Kontrolle angekommen wurde ich von einem freundlichen älteren Herren mit, einem fast schon gesungenem, „Next Please!“ an den Schalter gerufen. Ein kurzer Blick auf dem Ausweis, ein schnelles „Thank you and welcome“ und schon war ich in England. Jetzt galt es nur noch nach Canterbury zu gelangen. Leider fand ich keine Möglichkeit mir vorab ein Zugticket nach Deutschland schicken zu lassen und musste nun Vorort zusehen eines zu bekommen. Also begab ich mich zum erstbesten Schalter mit der Aufschrift „Tourist Information“ und frug „Excuse me, where can I get a train ticket to canterbury?“, „To where?“, „Canterbury!“, „Oh CAAAnterbury“. Brrrfff…. Nach einem weiterem Infoschalter und einer Ticketschalterwarteschlange hatte ich endlich mein Ticket nach Canterbury wenngleich auch keine Ahnung wie ich dahin gelangen sollte. Ich wusste nur das ich zunächst nach St. Pancreas (??) musste und von dort weiter nach Canterbury. Zum Glück fuhr von Heathrow aus nur eine Tube und die sogar nach St. Pan…was-auch-immer. Und diese Zugfahrt war die schlimmste meines Lebens. Dieser veraltete Zug der „Piccadilly Line“ auf dem Weg nach Cockfoster (jap) war mit einer Lautstärke unterwegs die selbst einen startenden Jumbo locker übertönt hätte. Trotz Ohrhörern und einen laut gestellten IPod verlieh mir das Donnern und Holpern einen wunderschönen Kopfschmerz. Dazu schwankte das Transportmittel in einer Art das mir zum ersten Mal in meinem Leben schlecht wurde auf einer Zugfahrt, auf irgendeiner Fahrt. Es hätte mich auch überhaupt nicht überrascht hätte wenn wir plötzlich auf einen Eisberg aufgefahren wären und der Kapitän zur Durchsage angehoben hätte um den Ozeankreuzer zu evakuieren: „Frauen und Kinder zuerst“. Eine Durchsage gab es dann auch tatsächlich, der Zugführer erklärte irgendwas vielleicht von einer Umleitung und wieder musste ich eingestehen, dass mein Englisch zu schwach ist… Aber es klang auch so als würde er zunächst in seine Faust sprechen hinter die er dann das Mikro hielt. Nach etwa 40 grausamen Minuten war ich dann auch schon in St. Panama und sah zum ersten Mal seit ich das Flugzeug verlassen hatte wieder Sonnenlicht-iche Helligkeit, naja sagen wir den Himmel, es war schon etwas später und eher dunkel. Im Gewirr der Anzeigen fand ich sogar eine die Canterbury ausschrieb. Und an der Stelle habe ich wieder etwas Neues gelernt. Wenn ein Zug über einen Bahnhof fährt heißt das im Britischen „calling“. Der freundliche Herr der an einer der vielen, offenbar funktionsuntüchtigen, Fahrkartenschranken stand um mich an eben einer solchen Defekten passieren ließ, erklärte mir welchen Zug ich zu nehmen hatte und meinte dazu ich müsse aber in Ashford-International (ja genau, weil da geht’s auch nach Frankreich und so…) umsteigen. Allein diese Zugfahrt in einem sehr schönen modernen Zug hat vieles wieder rausgerissen was mir in der Piccadilly Line die Laune verdorben hatte. Ein Zugbegleiter der in einem britischen Bilderbuchdialekt die Ansage runtergesungen hatte als würde er das professionell für Monty Python’s flying circuses machen ist ein wunderbarer Stimmungsaufheller. Bei der Fahrkartenkontrolle bekommt man dann auch ein sattes „Lovely“ zu hören auch wenn das Interesse am Fahrgast nur marginal war. Nach zwei anderen Inter’nl kam dann auch Ashford. Ein Bahnhof wohl größer als der Neustädter nur mit ohne Zügen. Von da ging es recht flott nach Canterbury. Zusammengefasst muss ich sagen, dass die Zugreise trotz 2x umsteigen recht flott ging. Insgesamt hatte ich vielleicht 5-7 Minuten auf Anschluss gewartet. Einzig die polizeiverstärkte Fahrkartenkontrolle beim Aussteigen in Canterbury war eine etwas seltsame Begrüßung.

Was man bedenken sollte wenn man abends (besonders an einem Samstag) durch eine englische Stadt läuft ist, dass Leute unterwegs sind die feiern. Mein Weg vom Bahnhof zum Hotel führt mich direkt durch den Ortskern von Canterbury, der unserer Neustadt in nichts nachsteht. Da zu geizig für ein Taxi zu zahlen, konnte ich unterwegs Bekanntschaft mit Al(?) machen. Der wollte die Geheimnisse aus meinem Koffer erwerben. Ich musste sein großzügiges Angebot von einer Millionen Pfund aber leider ablehnen weil sich auch meine Zahnbürste in dem Koffer befand. Schließlich sah er ein, dass wir keinen Deal schließen würden und erklärte sich stattdessen bereit mich zu meinem Hotel zu führen. Unterwegs wurde er aber alsbald von einer Bar seiner Aufmerksamkeit beraubt und verschwand nach kurzer Verabschiedung wieder. Der Eingang zum Hotel war schnell gefunden und nachdem ich dem Wachmann am Eingang mein „lovely paper work“ gezeigt hatte, durfte ich die Rezeption suchen und erhielt dort meinen Schlüssel. Mein Gepäck schnell in meinem Raum abgestellt ging ich von Hunger geplagt direkt in die Stadt um mir etwas zu Essen zu besorgen. Wichtig war es den Hotelausweis mitzunehmen, denn ohne den würde ich nicht wieder am Wachmann vorbei hinein kommen. Und was isst der Deutsche im Ausland? Richtig das was es auch zu Hause gibt. Also das erstbeste Subway aufgesucht. Und bei den Britten gibt es komische Dinge aufs Sandwich, die machen echt Corn drauf… kein Geschmack dieses Volk ^^

Anyways, war lecker (ohne Corn) und nun Sitz ich hier und schreib diese Zeilen aus der Hotelbibliothek (weil da WLAN). Nachdem der Strom alle war und musste ich in mein Hotelzimmer umziehen und konnte hier nun dank Familie Jugel und ihrem Stromadapter den Rest schreiben. Mit einem wichtigen Fakt den ich gerade noch gelernt habe, als ich in der Bibliothek saß und mir vom Nachtwächter Tee angeboten wurde, möchte ich mich verabschieden. „Black Tee“ ist Tee ohne Milch… glaub ich… Ich hatte einen leckeren Früchtetee und ich glaub wenn mich noch einer Sir nennt der mir mindestens 3 Dekaden voraus hat, geh ich verrückt.

Morgen (Sonntag) geh ich aber erst mal bissel Canterbury erkunden, der Bericht könnte also etwas später kommen.

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